Didgeridoo Dialog Winterthur Didgeridoo Dialog Winterthur  
   
     
 

        Navigation
 
 

Didgeridoo / Yidaki.


«So lassen Sie mich daran erinnern, dass uns das Yidaki heilig ist. Das Yidaki darf auf keine Weise behandelt werden, die die Hüter verägert wegen der darin enthaltenen Seele, der Seele unserer Ahnenwesen. Es darf niemals zweckentfremdet oder missachtet werden. Wenn es nicht mit Respekt behandelt wird, verlässt die Seele das Yidaki. Dies kann dazu führen, dass das Instrument reisst und es seine Kraft verliert.» Djalu Gurruwiwi, Hüter des Yidaki

Das Didgeridoo (auch Yidaki, Mago, Yirdaki, Yedaki, Yiki-Yiki, Yiraga, Ulpirra, Didjeridu u.a.) ist eines der traditionellen Instrumente der Ureinwohner Nordaustraliens, der Yolngu oder auch Aborigines. Infolge des neuen politischen Bewusstseins wollen die Urbewohner Australiens nicht mehr Aboriginals genannt werden, sondern Aborigines. Nur noch 300'000 der ca. 20 Millionen Australier sind Aborigines. Gemeinsam verehren sie Erde, Sterne, Pflanzen, Tiere, Felsen und Schluchten – denn das alles wurde von den Schöpferwesen der Traumzeit erschaffen. Naturdenkmäler wie der Uluru, Felsmalereien und Rituale halten die Erinnerung daran wach.

Didgeridoo Bob Burduwal, Arnhem Land

Das Didgeridoo ist ein Blas-/Windinstrument und sein Ursprung liegt in Arnhem Land. Es trägt jedoch weniger zur Melodie als vielmehr zur Rhythmik der traditionellen Musik bei. Anhand von Felsmalereien wird das Alter auf ca. 3000 bis 5000 Jahre geschätzt – das sind aber nur Vermutungen – Ethnologen gehen davon aus, dass das Didgeridoo bereits schon viel früher gespielt wurde.
Der Begriff Didgeridoo ist kein Wort einer Aborigine-Sprache. Vermutlich ist es eine phonetische Beschreibung der ersten Europäer für eine gespielte Rhythmusfolge.

Das Didgeridoo wird seit je her aus einem hohlen Ast oder Stamm des Eukalyptusbaumes* hergestellt. Die meist verwendeten Arten sind der schwarze und gelbe Woollybutt, Stringybark, Ironbark, Yellow Box und Bloodwood sowie der vielstämmige Mallee aus dem trockenen Süden des Kontinents.
Eine spezielle Termitenart lebt in diesen Bäumen und höhlen die Stämme und Äste von innen aus, um ihre Nester darin zu bauen oder sie transportieren das abgetragene Material nach draussen und verwenden es als Baustoff für ihren Hügel. Ohne diese kleinen, fleissigen Freunde würden wir das Didgeridoo in seiner ursprünglichsten Form nicht kennen – es ist ein Geschenk der Natur.

Auf der Suche nach dem richtigen Ast oder Stamm achten die Yolngu auf sichtbar ausgehöhlte Bäume und klopfen die Stämme ab, bis sie einen finden, der den charakteristischen hohlen Klang erzeugt und die geeignete Dimension aufweist. Prinzipiell werden die Instrumente nicht gebaut, sondern "gesucht". Erfahrene Didgeridoo-Cutter beherrschen die Methode, womit man durch Abklopfen des Stammes ihm den Klang entlockt, der auf ein potenzielles Didgeridoo hinweist. Sie besitzen ein präzises Verständnis des Landes und des Lebens darauf; mit diesem Wissen "lesen" sie die sie umgebende Natur und finden so die besten Instrumente.

Didgeridoo-Bauer Didgeridoo-Cutter
Yolngu beim Prüfen eines Stamms                             Optimal – dieses Yidaki kann geerntet werden

Je nach Region gibt es verschiedene Instrumentenformen und traditionelle Spieltechniken:
So wird z. B. in Nordost-Arnhemland das Yidaki gespielt (Bunggul-Stil) und in West-/Süd-Arnhemland das Mago (Gunborrk-/Wongga-Stil). Die moderne Spielweise hat ihre eigene Technik entwickelt und unterscheidet sich wesentlich von der traditionellen in Bezug auf Klang, Rhythmus und der Atemweise.

Bei einer Zeremonie (Korrobori) steht das Didgeridoo nicht im Vordergrund. Wesentlich wichtiger sind die Lieder, die Tänze, die Bemalung auf dem Instrument, die bestimmten Rhythmen und der Takt der Bilmas (Klanghölzer, engl. Clapsticks). Im traditionellen Kontext wird die Tonlage des Instruments durch kürzen oder vergrössern des Schalltrichters auf die Stimmlage des Sängers abgestimmt.

Den Aborigines dient das Didgeridoo nicht allein der Unterhaltung wie in der Neuen Welt; vielmehr ist es Ritualgegenstand zur Begleitung ihrer Tänze und Gesänge. Es wird aber vermutet, dass sie es auch für Heilungszwecke einsetzen. Dies wird jedoch von den Aborigines nie ausdrücklich bestätigt. Daraus lässt sich schliessen, dass die Ureinwohner sich Bereiche ihres Wissens bewahren, das nur für initiierte Clanangehörige zugänglich ist.
Eine Wirkung auf den Menschen hat der Ton aber unbestritten. So gibt es in der Schweiz bereits Kliniken, die das Didgeridoo therapeutisch anwenden. Die vielschichtige Schwingung des Klanges kann die Selbstheilungskräfte stärken und das Selbstbewusstsein positiv beeinflussen.

Didgeridooähnliche Instrumente kommen nicht nur in der Kultur der australischen Ureinwohner vor. Auch in Afrika, Teilen Amerikas, Europas (Alphorn) und Asiens wurden und werden Windinstrumente gespielt. In anderen Teilen der Welt werden Windinstrumente auch aus Metall angefertigt (u. a. das Rag-Dun oder Dung Chen aus Tibet).

*Im Gegensatz zu den klassischen Eukalyptus-Didgeridoos werden ausserhalb von Australien, mit Schwerpunkt in Europa und Nordamerika, Didgeridoos auch aus einheimischen Hölzern gebaut. Nähere Informationen zu dieser neuen Instrumentenform und deren Bauweise finden Sie auf den folgenden Seiten:
Didgeridoos carved by Eddy Halat / www.didgeridoo-werkstatt.ch.
 
© didgeridu.ch 2010
Didgeridoo Dialog Winterthur