Didgeridoo Dialog Winterthur Didgeridoo Dialog Winterthur  
   
     
 

        Navigation
 
 

Aborigines Allgemein.

Die ersten Menschen, die auf den Kontinent einwanderten, waren die Ureinwohner, auch Aborigine (lat. "ab origine" = "von Beginn an") genannt. Die allgemeinen Bezeichnungen "Aboriginal" oder "Aborigine" stammen von den Europäern und werden von den Ureinwohnern nicht benutzt. In Australien trifft man vermehrt auf die Bezeichnung "Indigenous People". Sie selber nennen sich "Yolngu" (Norden), "Murri" (Osten), "Koori" (Südosten), "Nanga" (Süden), "Nyungar" (Südwesten) und "Wonghi" (Westen). Vor der Entdeckung war das Leben der Aborigines perfekt an die Erfordernisse des Landes angepasst, ihre soziale Struktur war intakt und ihre Fähigkeiten und Naturkenntnisse verblüffen noch heute.

Vor mehr als 200 Jahren war den Europäern die Existenz dieses Naturvolkes nicht bekannt und die "Terra Australis", der vermutete Südkontinent, war noch nicht entdeckt. Bis zu dieser Zeit konnten die Aborigines ungestört mit der Natur in Einklang leben und eine komplexe Kultur mit über 250 Sprachen entwickeln. Doch nach der Beanspruchung der "Terra nullius" (man nahm an, dass es von keinem Volk bewohnt wurde) durch die Europäer, bestand für die Aborigines die Gefahr der Ausrottung oder der vollständigen Anpassung, die durch die Behörden vorangetrieben wurde. Mit dem Untergang von zahlreichen Stämmen ging auch ein Grossteil der Kultur verloren und mit ihr die Identität und der Lebenswille der Aborigines. Obwohl sich heute die Verhältnisse für die Ureinwohner gebessert haben, sind die Aborigines immer noch eine benachteiligte Minderheit in ihrem eigenen Land.


Geschichte der Ureinwohner Australiens.

Nach neusten Erkenntnissen geht man davon aus, dass sie bereits vor 50'000 bis 60'000 Jahren von Asien kommend in Australien eingewandert sind. Während der letzten Kaltzeiten bestand für die Menschen Südostasiens die Möglichkeit sich nach Süden auszubreiten und das australische Festland zu besiedeln, da durch die Eiszeit der Meeresspiegel stark zurückgegangen war und somit nur eine schmale Meerenge die asiatische Inselwelt vom australischen Kontinent trennte. Das reichhaltige Nahrungsangebot des tropischen Nordens und die Unbewohntheit Australiens veranlassten die Aborigines sich schnell auf dem gesamten Kontinent auszubreiten, bis nach Tasmanien, das zu dieser Zeit noch nicht durch die Bass- Strasse vom Festland abgegrenzt war. Später, als der Meeresspiegel infolge der abklingenden Eiszeit wieder anstieg, wurde das Urvolk auf natürliche Art und Weise isoliert und konnte sich nicht mit anderen Völkern vermischen.

Die Nomadenstämme lebten in einfachen Hütten oder unter Windschirmen, die aus Zweigen oder Rinde aufgebaut waren. Zur Jagd wurden Langspeere, Bumerangs und Speerschleudern (Woomera) verwendet. Die Frauen trugen oft eine aus Hartholz gefertigte Keule (Nulla Nulla) bei sich, die sie als Waffe benutzten. Der Bumerang wurde neben der Jagd auch zum Kampf, als Werkzeug und für sportliche Wettkämpfe verwendet. Man unterscheidet den zurückkehrenden und den nicht zurückkehrenden Bumerang (Kylie).

Ihre damalige Anzahl wird auf 750'000 bis 1,5 Mio. geschätzt. Sie lebten (und leben zu einem kleinen Teil auch heute noch) als Jäger und Sammler und zogen als Nomaden durch das Land. Die Entwicklung zur Sesshaftigkeit wurde von ihnen nie vollzogen, angesichts des Reichtums und der Grösse des Landes war dies auch nie notwendig - das Land gab ihnen alles was sie brauchten. Jedem Stamm gehörte ein bestimmtes Stück Land von dessen Ertrag gelebt wurde. Die Ureinwohner kannten den Begriff des Eigentums nicht, statt dessen sahen sie sich als Hüter des Landes.

Mit dem Eintreffen der ersten Sträflingstransporte der Briten und der dann folgenden Siedler nach 1788 begann das traurigste Kapitel in der langen Geschichte der Aborigines. Die Besiedlung durch die Europäer hatte einen vernichtenden Einfluss auf die Ureinwohner. Sie wurden gejagt und als Untermenschen behandelt (bis in die 1930er Jahre wurden Abschussprämien ausbezahlt) oder sie wurden von eingeschleppten Krankheiten dahingerafft. Versuche Stämme umzusiedeln, beschworen Konflikte herauf, denn die spirituellen Bindungen zu ihren Regionen war stark (und sind es heute immer noch). Von den Anfangs des 18.Jh. geschätzten 300'000 Aborigines hatten bis 1947 nur rund 75'000 überlebt.

Erst in den späten 1950er Jahren wurde eine menschenwürdigere Behandlung der Ureinwohner zum Thema in Australien, allerdings unterbrochen von Ereignissen wie den Atombombenversuchen der Briten von Maralinga, die von 1953 bis 1964 in der Wüste Südaustraliens stattfanden. Ein Schutz bzw. eine Umsiedlung der dort lebenden Aborigines fand damals nicht statt. 1994 zahlte die Regierung an die Aborigines 13,5 Mio. Dollar Entschädigung für die in der Wüste durchgeführten Atomversuche. Wenn auch die Verseuchung dieser Gegend und die dadurch verursachten Leiden der Aborigines nicht mit Geld aufzuwiegen sind, so setzte man doch zumindest ein Zeichen für ein moralisches Umdenken und einen Beginn des gegenseitigen Verstehens.

1960 wurden den Ureinwohnern Bürgerrechte zuerkannt (u.a. Wahlrecht), aber erst 1967 ermöglichte eine Verfassungsänderung, dass sie bei Volkszählungen erfasst wurden. Durch das 1976 beschlossenen "Aboriginal Land Rights Act" wurden den ursprünglichen Besitzern bedeutende Stammesterritorien zurückgegeben. 1983 wurde ihnen ein wichtiges Heiligtum, der Uluru (Ayers Rock), übergeben. Die von den Ureinwohnern geforderte und von liberal gesonnenen Politikern schon mehrfach versprochene Selbstbestimmung ist bis heute nicht vertraglich bestätigt worden. Signalwirkung hatte auch der am 26. Mai 1998 erstmals gefeierte nationale "Sorry Day", an dem sich die australischen Bürger für die Verbrechen an den Aborigines entschuldigten.

Die Aboriginal Torres Strait Islander Commission (ASTIC), die aus der 1980 gegründeten Aboriginal Development Commission (ADC) hervorging, fördert die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Aborigines. Gemäss dem Motte "Hilfe zur Selbsthilfe" stellt diese Organisation finanzielle Mittel und günstige Kredite zur Verfügung, die den Aborigines zur Gründung von Existenzen verhelfen sollen. Besonders im Kunstgewerbe gelang es vielen, sich selbständig zu machen und durch die Herstellung und den Verkauf von Didgeridoos und den beliebten traditionellen Malereien, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch einige Einkaufszentren und Rinderfarmen stehen unter der Leitung von Aborigines. Dennoch bleibt die Lage für die Ureinwohner kritisch: 59 Prozent verfügen über ein Jahreseinkommen von weniger als 12'000 Dollar und 55 Prozent leben grössten Teils von staatlicher Unterstützung. Hohe Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und die soziale Entwurzelung stellen heute die zu überwindenden Probleme dar. Auch über die Ausbildung der Aborigines wird immer noch debattiert - sie soll Aspekte beider Kulturen enthalten.

 
© didgeridu.ch 2010
Didgeridoo Dialog Winterthur